Handlettering Technik: Die wichtigsten Grundlagen für schönere Schriftzüge
- Nicole Has
- vor 6 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Du hast die Grundausstattung fürs Handlettering schon zusammen und deine ersten Buchstaben gezeichnet? Dann geht es jetzt an den Feinschliff. In diesem Beitrag zeige ich dir die wichtigsten Techniken, mit denen deine Schriftzüge gleichmäßiger, ruhiger und insgesamt professioneller wirken – Schritt für Schritt erklärt.
Den Brush Pen richtig halten

Der Griff macht beim Handlettering einen überraschend großen Unterschied. Halte den Brush Pen etwas steiler als einen normalen Stift, in einem Winkel von etwa 45 bis 60 Grad zum Papier. Die Pinselspitze sollte dabei mit ihrer gesamten Breite aufliegen können, statt nur mit der Spitze zu "kratzen". Ein zu flacher Winkel führt oft zu ausgefransten Linien, ein zu steiler Winkel dazu, dass sich die Spitze kaum biegen lässt. Am besten machst du ein paar lockere Warm-up-Striche, bevor du mit dem eigentlichen Wort startest – so findest du den passenden Winkel für deine Hand.
Die Dünn-Dick-Technik meistern
Das Herzstück jedes klassischen Handletterings ist der bewusste Wechsel zwischen dünnen und dicken Linien:
Aufstriche (die Bewegung nach oben) werden mit leichtem Druck gezeichnet → dünne Linie
Abstriche (die Bewegung nach unten) werden mit festerem Druck gezeichnet → dicke Linie
Am einfachsten übst du das zunächst nicht an ganzen Buchstaben, sondern an einzelnen Grundformen: geraden Linien, Bögen und Schlaufen. Erst wenn sich der Druckwechsel automatisch anfühlt, überträgst du ihn auf ganze Wörter.
Faux Calligraphy: Handlettering ganz ohne Brush Pen
Falls du gerade keinen Brush Pen zur Hand hast oder erstmal unabhängig vom Werkzeug üben willst, hilft dir die sogenannte Faux-Calligraphy-Technik. Dabei schreibst du das Wort ganz normal mit einem beliebigen Stift und verdickst anschließend nachträglich alle Abstriche, indem du eine zweite Linie daneben ziehst und die Fläche dazwischen ausfüllst. Das Ergebnis sieht dem klassischen Brush-Lettering erstaunlich ähnlich – und ist die ideale Übung, um ein Gefühl für die Dünn-Dick-Verteilung zu bekommen, bevor du mit einem echten Brush Pen arbeitest.
Warum deine Linien noch ungleichmäßig wirken
Ein häufiges Problem bei Einsteiger:innen: Die Striche werden mal dick, mal dünn, ganz ohne erkennbares System. Meistens liegt das nicht an fehlendem Talent, sondern schlicht an einem noch unbewussten Druckwechsel. Zwei Dinge helfen hier zuverlässig weiter:
Langsamer schreiben. Handlettering ist kein Schreiben, sondern Zeichnen – entsprechend braucht es mehr Zeit pro Buchstabe als deine normale Handschrift.
Einzelne Buchstaben isoliert üben, statt gleich ganze Wörter zu schreiben. So merkst du schneller, bei welchen Formen (z. B. Rundungen) der Druckwechsel noch nicht sitzt.
5 kurze Übungen für eine ruhigere Hand
Eine ruhige, kontrollierte Handführung lässt sich gezielt trainieren:
Gerade Linien von oben nach unten ziehen, mit gleichmäßigem Tempo
Wellenlinien ohne Absetzen des Stifts zeichnen
Spiralen von innen nach außen üben
Das gesamte Alphabet in Kleinbuchstaben in einer Zeile durchschreiben
Denselben Buchstaben zehnmal hintereinander wiederholen, bis die Bewegung vertraut wird
Fünf bis zehn Minuten täglich reichen hier oft schon aus, um nach ein paar Wochen einen deutlichen Unterschied zu spüren.
Tipp: Für diese Übungen eignet sich Papier mit vorgedruckten Hilfslinien besonders gut – das erleichtert gleichmäßige Buchstabenhöhen und -winkel spürbar. Bewährt hat sich z. B. dieses Kalligraphie-Übungsheft mit 55-Grad-Neigungslinien.
Harmonische Schriftzüge: Abstände und Proportionen
Einzelne Buchstaben sehen oft schon gut aus – trotzdem wirkt das ganze Wort manchmal "zusammengewürfelt". Meist liegt das an den Abständen: Buchstaben, die zu eng oder zu weit auseinanderstehen, stören das Gesamtbild stärker als kleine Unregelmäßigkeiten in der Form selbst. Als Faustregel gilt: Die Abstände zwischen den Buchstaben sollten optisch ungefähr gleich breit wirken, nicht mathematisch exakt gleich sein. Es hilft, das fertige Wort aus etwas Entfernung zu betrachten (oder ein Foto davon zu machen) – Unstimmigkeiten in der Gesamtwirkung fallen so oft leichter auf als direkt beim Schreiben.
Brush Pen Pflege: Länger scharfe Spitzen
Ausgefranste Pinselspitzen sind ärgerlich, besonders bei hochwertigeren Stiften. Ein paar einfache Gewohnheiten verlängern die Lebensdauer deutlich:
Den Stift nach Gebrauch immer mit der Kappe flach liegend lagern, nicht stehend
Zu festen Druck vermeiden, vor allem bei den ersten Übungen
Auf glattem Papier arbeiten – raues oder strukturiertes Papier nutzt die Spitze schneller ab
Die Spitze nicht "malen", sondern gezielt in eine Richtung führen
Fazit
Die meisten Techniken, die ein Handlettering wirklich professionell wirken lassen, sind gar nicht kompliziert – sie brauchen vor allem bewusstes Üben statt Talent. Wenn du diese Grundlagen regelmäßig trainierst, wirst du schon nach kurzer Zeit einen deutlichen Unterschied in deinen Schriftzügen sehen.
Falls du dir eine strukturierte Anleitung wünschst, die dich Schritt für Schritt durch alle diese Techniken führt, lohnt sich ein Blick in den großen Handlettering Online-Kurs – dort werden genau diese Grundlagen mit Video-Anleitungen und Übungsblättern vertieft.
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